Käse von der Insel Jersey?
Der erste Reflex auf den Käsenamen Jersey bzw. die Käsemarke Jersey ist klar, das muss ein Käse von der Insel Jersey sein, was sonst? Es ist eine freundliche, aber leicht skeptisch schauende Kuh drauf, er hat eine durchaus gelbliche Farbe. Klare Sache: eindeutig Cheddar.
Wenn man nun nicht nur das Bild anschaut, sondern auch liest, so stellt sich das etwas anders dar. Der groß geschriebene Untertitel besagt klar „Hollands Bester“. Das bedeutet holländische Provenienz.

Wir haben hier einen der eher seltenen Fälle einer konkreten Rassenbezeichnung bei einem tierischen Lebensmittel. Der heutige Konsument kennt ja eigentlich nur das allgemeine Tier, also Huhn, Schwein oder Rind. Oft sogar in der (tatsächlich irrigen) Annahme, dass die Tiere als Filet wachsen.
Wer kennt schon Rassenamen …
Die Namen der Massenrassen sind nicht relevant, da sie ja bei ihrem überwältigenden Marktanteil nicht zur Differenzierung taugen. Aber kleinen Minderheiten bietet sich die Gelegenheit, Besonderheit zu vermitteln. Vielleicht kennen Sie die Schweinrassen Duroc und Schwäbisch-Hällisch. Oder das Wollschwein, das Mangalitza? Das Strohschwein dagegen ist keine eigene Rasse, es ist eine leicht verbessert gehaltene Variante des ganz normalen Industrieschweins.
Bei den Rindern ist es ähnlich. Es gibt halt Rindfleisch, und dann kennt man noch ein paar Raritäten: Angus, Wagyu, und das war es dann meist schon. Hier kommt wieder unser Käsename „Jersey“ ins Spiel. Der Name bezieht sich nämlich nicht auf die Insel, sondern ein Tier:

Eine einzelne Kuhrasse als Käsename
Beim Jersey handelt sich um einen holländischen Käse der Marke Landana. Er wird produziert aus der Milch von Jersey Kühen, die aber in Holland leben. Der Käse ist ein wenig anders als von der Massenrasse Holstein, die ja oft kaum mehr laufen können und wie Reaktoren auf vier Tragstäben aussehen, aber eben den Großteil der Milch für Menschen erzeugen. Die Jerseymilch enthält deutlich mehr Protein und Fett, sicher hat sie auch einen leicht anderen Geschmack. Es ist deshalb sinnvoll, das, was am Produkt so anders ist als am Massenprodukt – nämlich der Rohstoff – tatsächlich auszuloben. Hier noch ein Portrait einer der Erzeugerinnen:

Die Besonderheit hätte man nun auf verschiedenste Weise markieren können. Ein Geschmacksversprechen, besondere Cremigkeit, außerordentliches Aroma, die besonderen Milchcharakteristika eben. Es war aber ebenso naheliegend, die Rassenbezeichnung für den Käsenamen zu wählen. Es kennen zwar die wenigsten Leute die Kuhrasse Jersey, aber fast alle denken an die Kanalinsel, was ja so schlecht nicht ist. Die Kanalinseln stehen für Besonderheit, auch für angenehmes Klima, und natürlich für Steuern sparen.
Ein klug gewählter Name
Interessant finde ich, dass der Name nicht als Marke eingetragen ist. Vielleicht würde das vom Markenamt auch nicht als Selbstläufer eingetragen. Eher ist das hier ein Grenzfall. Einerseits wird durch den Namen der Eindruck erweckt, der Käse stamme von der Insel Jersey – was nicht stimmt. Andererseits wird völlig korrekt vermittelt, dass der Käse auf der Jersey Kuhrasse bzw. deren Milch basiert – was völlig korrekt ist. Und am Ende wieder auf die Insel zurückführt, denn dort kommen die Kühe ja letztlich her. Eine spannende Namenslösung.
Hier noch der Anblick des ganzen Sortiments:

PS: Für Namensliebhaber noch ein Bonusschmankerl: der ganz oben abgebildete Käse ist 18 Monate alt und trägt ein besonderes Reifesiegel: X.O. Das kennen wir doch irgendwoher ….
PPS: Vielen Dank an Landana für die Überlassung der Bilder!!!
Und hier noch eine Bonuskuh 😉

