Wie die Leserreaktionen gezeigt haben, war das Thema des letzten Beitrags wirklich akut – viele haben sich schon ähnliche Fragen gestellt. Deshalb hier ein Nachtrag zu den offenen Fragen, in den ich Informationen integrieren konnte aus einem fast zeitgleich erschienenen Artikel in der NYT, dank meiner wunderbaren Leserin Maria. „Amazon Namenswahnsinn – die Erhellung“ weiterlesen
Der Namenswahnsinn bei Amazon – ein eigenes Universum
Bei manchen Produktkategorien auf Amazon ist die Namensvielfalt einfach nur erstaunlich. Bei Waschmaschinen fällt das dagegen gar nicht auf. Aber bei abseitigeren Kategorien mit weniger dominanten Marken, da fördert man Kurioses zu Tage. Ich habe die Kategorie der Aquariumbeleuchtung gewählt und mir die 42 Vorschlagsseiten durchgeschaut auf Namen, unter denen die Produkte angeboten werden. Im Shop bei Amazon sieht das so aus: „Der Namenswahnsinn bei Amazon – ein eigenes Universum“ weiterlesen
Lady Gaga: Innovation is in the Haus
Dass in Deutschland extrem viel aus dem Englischen, oder besser, dem Amerikanischen, entlehnt und lehngebildet wird – wer würde das bestreiten? Auch Zeitungen wie die SZ schrecken nicht vor „intrikat“ und „kapabel“ zurück. Naja, wer’s braucht. „Lady Gaga: Innovation is in the Haus“ weiterlesen
Markenkopie? War Apple ein Epigone?
Wenn man fragt, was ein guter Markenname sei, wird oft „Apple“ genannt. Vermutlich hätten nur wenige Menschen in Deutschland den Mut gehabt „Apfel“ auf Elektronikartikel zu schreiben; und „Ananas“ oder „Pineapple“ auch nicht. Das ist ein sicheres Zeichen, dass wir es hier mit einer Verwechslung zu tun haben – nämlich nicht mit der Wertschätzung eines Namens, sondern einer Marke. Das ist natürlich etwas fundamental anderes. Aber lassen wir das. Denn bei Namen stellt sich eine wirklich interessante Frage: Woher? Und natürlich: Original oder Kopie?
Ich dachte ja immer, Computermarken wie Tulip oder Apricot (erinnert sich noch wer an die?) hätten in den 80ern das Fruchtkonzept von Apple abgeschaut. Das mag sogar richtig sein. Aber noch spannender ist die Frage, wie Apple zu Cherry steht. Fast jeder kennt Cherry als Hersteller hochwertiger Computertastaturen. Jetzt könnte man denken, naja, hat halt der Gründer von Cherry bei Apple geklaut. Klassischer Fall von Kopie. Aber weit gefehlt.

Stimmt nicht. Kann gar nicht stimmen. Denn der Herr Cherry gründete seine Firma schon in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Vielleicht hat sich ja doch andersherum Steve Jobs inspirieren lassen. Und die Geschichte mit dem Apfelbauernhof und dem Alphabet – wie in der Wikipedia angeführt – war nur flankierend. Wer kennt schon sein Un(ter)bewusstes so genau? Vielleicht nicht mal Steve Jobs. Und seien wir mal ehrlich, was wären wir ohne die Inspiration aus der Umwelt und von anderen Menschen?
Aber wissen würd’ ich’s halt doch gern. Waren es am Ende gar die Beatles, mit deren Plattenfirma Apple Apple später so engagiert stritt?
PS: Interessant ist auch der Fall von Acorn und Acer. Acorn, eine englische Computermarke aus den 80ern, Acer so getauft in den Neunzigern, als Acorn schon auf dem absteigenden Ast war. Beide waren geschäftlich völlig unabhängig voneinander. Ach so, was die Ähnlichkeit nun ist? Acer ist nicht nur Lateinisch für „scharf“ oder eine Abwandlung des englischen „ace“ – es ist auch der lateinische Name für – Ahorn. Also irgendwie auch eine Kopie.
5 GUM Turbulence mit neuer Beschreibung – Deutsch!
Wie früher schon im Namensblog berichtet oder auf meiner Website zu lesen, habe ich ja den Sortennamen bzw. die Subbrand Turbulence für Wrigley 5 GUM gemacht. Bisher sah die Packung so aus:
Im August 2014 ist eine neue Packungsvariante erschienen, die durch Formen und Farben viel stärker die Wassermelone verdeutlicht, ein verändertes Sortenzeichen aufweist, aber vor allem – mit einer deutschen Beschreibung versehen ist. Bisher lautete diese:
„A mouthwatering watermelon / Sugarfree Chewing Gum“.
In der neuen Edition heißt es:
„Ein Geschmackserlebnis saftiger Wassermelone / Zuckerfrei“.
Und so sieht die neue Packung aus:

Es ist schon eine wirklich große Veränderung, dass nun auf Deutsch mit den Käufern kommuniziert wird. Besser verständlich sind die Inhalte auf jeden Fall, ob sie auch attraktiver erscheinen, das ist die spannende Frage. Aber Wrigley hat sicher entsprechende Tests im Vorfeld gemacht.
Wer gerne mehr zu den Sortennamen erfahren möchte, der findet Näheres dazu auf der Website der Naming-Agentur. Interessant ist auch der Namensüberblick zum gesamten 5 GUM Portfolio in der Wikipedia. Und hier geht’s zur Website von 5 GUM, wo man viele Aktionen mitmachen kann.
Marke „Stadt, Land, Fluss“ – Exempel und (gescheiterte) Statuierung
Wie zu lesen war, ist „Stadt, Land, Fluss“ zwar eine Marke für Spiele, dennoch kann der Name auch von einem anderen Spieleanbieter verwendet werden. Wie kann das sein? Was sagt das Markenrecht? Der Reihe nach.
Der Streit: Eine App, ein Verlag, ein Kinderspiel
Ein App-Entwickler brachte vor einigen Monaten eine App mit dem Namen „Stadt, Land, Fluss“ auf den Markt, also in die online-Stores. Jeder kennt dieses Spiel noch aus der Kindheit. Man braucht nur den Kopf, einen Zettel und einen Stift dazu, und natürlich (vor der App) mindestens zwei Spielwillige. Ein Spieleverlag wollte diesem nun untersagen, den Namen für das Spiel zu verwenden, weil er ja die Markenrechte an diesem Namen habe. Also an einem Namen, den jeder kennt und generisch verwendet. Wie kann der überhaupt als Marke geschützt sein und auf dieser Basis anderen dessen Verwendung untersagt werden?

Die Marke: Generisch, beschreibend und trotzdem eingetragen
Vor einigen Jahren brachte der Spieleverlag Schmidt ein solches Spiel als Fertigversion auf den Markt, wo man die Spalten nicht selber ziehen muss und die Kategorien schon eingetragen sind. Das Ganze wurde unter dem bekannten Namen „Stadt Land Fluss“ eingeführt. Und jetzt wird es interessant. Für den Namen „Stadt Land Fluss“ beantragte Schmidt eine Marke, die vom deutschen Markenamt auch gewährt wurde. Zu verstehen ist diese Entscheidung nur schwer, denn der eingetragene Begriff ist für solche Spiele ungefähr das, was Fruchtjoghurt für Fruchtjoghurt wäre. Also hochgradig generisch, beschreibend, und freihaltebedürftig. Egal, die Marke wurde eingetragen.
Das Urteil: Schwache Marken wirken vor allem, solange man Angst hat
Nun wird es aber noch interessanter, denn der Sinn einer Marke ist ja nicht nur sie zu haben, sondern damit eigene Pfründe zu sichern und verteidigen zu können. Hier zeigte sich, wieso solche schwachen Marken, selbst wenn sie eingetragen sind, eben keine Wundermittel sind. Das sind sie nämlich nur, solange der andere (der Angegriffene oder der angeblich Verletzende) Angst hat. Wenn er sich wehrt, kann die Sache ganz anders ausschauen (und ausgehen). Genau das ist hier passiert. Der App-Entwickler nahm den Fehdehandschuh auf. Er ließ sich nicht einschüchtern, und so kam es nun zu der gerichtlichen Entscheidung, dass hier keine Markenverletzung vorliegt. Die Begründung ist einfach: Jeder darf den Begriff verwenden, um das Spiel damit zu beschreiben, und wenn er ihn nicht als Marke verwendet. Hierüber kann man natürlich trefflich streiten, nur am Rande bemerkt.
Was wir daraus lernen
Die ganze Sache ist lehrreich, zeigt sie doch das sehr limitierte tatsächliche Abwehrpotential solch extrem beschreibender Marken, die dennoch Ziel der Begierde vieler Markenanmelder sind. Eine psychologische Abschreckungswirkung solcher Eintragungen mag aber im täglichen Leben durchaus existieren. Mit ihr kann man diese aus taktischen Gründen auch rechtfertigen.
Im vorliegenden Fall wäre es eine interessante Vorgehensweise gewesen, die Abwehr der Verletzung mit einem Antrag auf Löschung der Marke zu verknüpfen. Ob so etwas richtig und sinnvoll ist, kann aber nur ein spezialisierter Anwalt, z.B. einer meiner Partner, entscheiden.
PS: Weitere Grenzfälle zwischen Markenrecht und beschreibendem Namen: BMW Neue Klasse scheitert am Markenamt, WIPO-Streitfälle zeigen internationale Dimensionen, irreführende Finanzproduktbezeichnungen landen sogar vor dem BGH.
Audi g-tron Antrieb: Namenstest bestanden
Die Früchte der ersten Zusammenarbeit mit Audi: Schon im März wurde das neue Antriebskonzept „g-tron“ auf der Messe in Genf vorgestellt.
Mancher mag sich noch an den Audi e-tron erinnern (übrigens ein tolles Beispiel für hysterisches und inkompetentes Bashing durch die Presse), dessen Kern ja elektrischer Antrieb war. Beim „g-tron“ ist nun alles anders, denn er fährt mit Gas aus Windkraft. Gleichzeitig hat das Auto, zunächst ein A3 Sportback, auch einen Benzintank an Bord, und kommt mit dieser kombinierten Treibstoffnutzung auf eine bemerkenswerte Reichweite. Der Motor ist natürlich so modifiziert, dass er beides essen kann, Gas und Benzin.
Was war nun mein Anteil an diesem Projekt? Der Name kam von Audi, ich habe den Namen in einer Vielzahl von Sprachen und Märkten in einem ausführlichen Namenstest auf Assoziationen, ähnliche Begriffe und Konzeptadäquanz überprüft.
Viel Erfolg mit dem Modell, wenn es Ende des Jahres in den Autohäusern steht!

Ewald Schillig Brand. Eine neue Marke. Einfach so.
Neue Kampagne für eine neue Marke von Ewald Schillig. Die Marke heißt, aufgepasst: Brand. Richtig, eine Marke, die Marke heißt. Das ist so simpel, dass es fast schon wieder genial ist. An dieser Stelle eine Gratulation zur Eintragung dieser Marke, das hätte man im Markenamt sicher auch anders sehen können …
Wer ist dieser Ewald Schillig?
Ein Markenhersteller edler und qualitativ hochwertiger Möbelstücke, und er will mit der neuen ‚Brand‘ wohl ein jüngeres Publikum ansprechen. Die Kampagne ist barock-chic inszeniert und überzeugt mit satten Farben. Die Sofas und Sessel geraten in expressiver Zirkus-Atmosphäre fast in den Hintergrund. Aber die Bilder bleiben im Kopf. QR-Codes in der Broschüre zeigen, dass sich die Kampagne an eine medienaffine Zielgruppe richtet, die mit dem Internet vertraut ist.

Was genau bezweckt Ewald Schillig mit der neuen Subbrand „Brand“?
Jung soll sie sein, die Brand, kosmopolitisch vielleicht, edel, modern. Auf Anfrage erklärt der Marketingleiter, man habe mit der Ewald Schillig Brand, „nach einer Möglichkeit gesucht, einen neuen Kollektionsbaustein zu etablieren, der den gelernten Namen Ewald Schillig aufgreift und darüber hinaus eine Neuigkeit verspricht.“ Und das eben durch den unkonventionellen Markennamen „brand“.
Lässt sich nur hoffen, dass die Auffrischung der alten Brand durch die neue Brand gelingt. Ein auf jeden Fall spannendes Konzept.

Vielen Dank an Ewald Schillig für die Bilder!
Und herzlichen Dank an Niki Reimann für Recherchen und Mitarbeit am Artikel!
Namensrätsel – Wer findet die Elemente des Markennamens?
Im „ALDI informiert“ war eine wunderbare Marke, naja, eher ein Markenname, zu entdecken. Und der muss hier unbedingt erwähnt werden, weil er ein Namensrätsel ist.
Es war vor zwei Wochen, als eine Besteckgarnitur angeboten wurde, 30-teilig, für €49,99. Die Messer aus dem Set waren annonciert als „Made in Solingen“. Das komplette Set war mit einem Markennamen versehen: Auenthal.

Klingelt’s? Wer erkennt die hier kombinierten Marken am schnellsten? Wer wird Millionär?
Richtig, gut erkannt! Es handelt sich um Auerhahn und Rosenthal, zwei wirkliche Premiummarken aus dem Bereich gedeckter Tisch.

Und fertig ist der Hybridname.
Weitere Markennamen die rätseln lassen – oder zum Raten einladen: das Quiz zu Markennamen und die Hintergründe zu Markennamen zeigen, wie oft Glaube und Realität auseinanderklaffen. Ein anderer schöner Hybridname ist die Winchelroute.