Produktnamen begegnen uns überall, beim Joghurt im Supermarktregal wie dem Lastwagen an der Kreuzung. In diesen Artikeln schaue ich mir an, wie Produkte zu ihren Namen kommen, was ein guter Produktname leisten muss, wo Hersteller mit Sprache tricksen, und ich zeige auch mal einfach kuriose Fälle auf.
Im Herbst hatte ich ja selber ein paar interessante Produktnamen von meinem USA-Besuch bzw. der Tour de Supermarkt vorgestellt: Souvenirs 1, Souvenirs 2 und Souvenirs 3. Nun habe ich direkt von Mercer Island, was quasi um die Ecke von Bill Gates und Jeff Bezos liegt, sensationelle neue Produktbilder von meiner Amerika-Korrespondentin erhalten, wirklich kuriose Produktnamen:
Wer kennt sie nicht, die sagenumwobene Capri Sonne? Viele durften sie nicht wie Wasser zu Hause trinken, sondern bekamen sie nur auf Schulausflüge mit, als besonderen und praktischen Proviant. Das kleine Getränk ist schon seit über 50 Jahren unter dem Namen, der noch die deutsche Urlaubsleidenschaft der Nachkriegszeit atmet, auf dem Markt.
Für viele Dinge sind ja alpha-numerische Bezeichnungen eine prima Lösung, insbesondere wenn es viele Modelle gibt, die oft abgelöst werden. Zusammen mit einer starken Marke ist das eine häufige und effiziente Strategie. Bei Miele bin ich im Prospekt des MediaMarktes allerdings auf eine kuriose Typenbezeichnung gestoßen:
Wer sich ein wenig mit der deutschen Weinnomenklatur auskennt, der weiß, dass das ein komplexes und auch sehr ernst genommenes Thema ist. Die meisten haben sicher schon von Qualitätsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese gehört. Ziemlich weit oben in der letztlich auch preislich gestaffelten Skala, da steht der Eiswein. Zusammen mit der Trockenbeerenauslese.
Die findige Norma, mein Lieblingsdiscounter, weil es dort auch viele erstaunliche, fränkische Produkte gibt, hat sich nun etwas einfallen lassen. Ein Eiswein war wohl zu teuer fürs Sortiment, deshalb hat man einen „Quasi-Eiswein“ kreiert. „Trickreiche Alternative für Eiswein: Ice Royal Riesling“ weiterlesen
Die letzte Folge der Namen reflektiert einen bedeutenden Trend im Branding: Nachhaltigkeit und Ethik, sowie Selbstbezogenheit. Wichtige Fragen dabei sind: Ist etwas gut für mich? Ist gut für die Umwelt? Oder ganz generell, was macht ein Produkt mit mir? So sieht das konkret im Supermarkt aus.
Für einen Deutschen auf Produktpirsch in den USA sind natürlich deutsche Namen oder zumindest Sprachspuren ein spannendes Ziel. Was tut sich da im US Product Naming? Wie schon zu erwarten war, ist die Ausbeute nicht gewaltig. Fündig wurde ich in einem sehr naheliegenden Segment, die Rede ist vom urdeutschen Kompetenzfeld „Bier“. „Supermarkt USA Teil 2 – „Exotische“ Sprachspuren“ weiterlesen
Beim Besuch in Portland und bei meiner Partneragentur Catchword in Oakland standen natürlich auch ausgiebige Exkursionen in die dortigen Supermärkte auf dem Programm – Whole Foods, Berkeley Bowl, Safeway, Trader Joe’s, und noch einige mehr. Dabei fallen viele Aspekte auf: erstaunlich hohe Preise für ausgewählte Lebensmittel, herausragend ästhetische Verpackungen (natürlich nicht bei den billigen Sachen), sowie oftmals recht spielerische Namen, die nur auf leichten Variationen der englischen Kernbegriffe beruhen. Hier ein paar Beispiele für bemerkenswerte Food Markennamen: „Supermarkt USA Teil 1 – Auffällige Markenamen Food“ weiterlesen
Was ist herzhaft mild? Was bedeutet das? Es ist eine Bezeichnung, die mir schon öfter aufgefallen ist, und die ich noch nie verstanden habe. Eine herzhafte Milde – was könnte das sein? Werfen wir einen genaueren Blick darauf.
Im Kaffeeregal von Tchibo im Supermarkt begegnet einem die Sorte „Tchibo Herzhaft Mild“.
Tchibo Herzhaft Mild
Herzhaft-mild und mild-würzig: Das Muster ist überall
Aber auch im Rewe auf der Dose Kidneybohnen der Linie „Rewe Beste Wahl“ findet man die Bezeichnung – mit Bindestrich. Und ein Blauschimmelkäse aus Dänemark macht auch mit: „herzhaft-mild”. Grundsätzlich ist das Attribut „herzhaft“ eher in der salzigen Geschmackswelt zu Hause.
Schauen wir gleich noch „mild-würzig“ an. Kerrygold Original Irischer Kildery ist „mild-würzig“, so wie auch der Landschinken von Abraham. Der Burlander von Milram ist natürlich auch „mild-würzig“, ebenso der Bresso, der Saint Albray, der deutsche Spargel im Glas von Feinkost Dittmann, der irische Cheddar von Kerrygold, und sogar die Fetakopie von Patros.
Was der Name (über die Käufer) verrät
Was sagen uns „Herzhaft Mild“ und „mild-würzig“ über die Produkte, vor allem aber über ihre Käufer? Wir könnten tiefenpsychologische Interviews machen, aber wir kürzen das jetzt ab. Befragt werde nur ich selber. Die Namen sagen uns, dass Menschen sich schwer entscheiden, aber auch, dass der Konsument immer öfter mehr will: Mehr als 1, und so auch mehr als einen Geschmack. Ein milder Kaffee ist – zu mild. Ein kräftiger Kaffee ist – zu kräftig. Ein geschmackvoller Käse – puh, zu kräftig. Ein geschmackloser – auch irgendwie fad. Die Lösung: beides zusammenspannen, mehr Zielgruppen erreichen, von mild bis herzhaft oder würzig, und alles dazwischen, also quasi drei auf einen Streich.
Wo Gegensätze nicht funktionieren
Das funktioniert natürlich nur gut bei etwas so vagem wie Geschmack. Bei konkreten und vor allem absoluten Produktangaben wird das Zusammenspannen von Gegensätzen schon eine rechte Herausforderung – und das für alle Beteiligten. Man stelle sich nur vor:
Wein Rot-Weiß (ein anderer Fall ist der Vinho Verde)
Joghurt mit wenig / viel Fett
Salami saftig-trocken
Paprikachips klein-groß
Konsistenzbeschreibungen dagegen sind durchaus gut vorstellbar und vielleicht sogar ganz spannend, zumal bei vielen Produkten ja mehrere Texturen auftreten:
Baguette knusprig-weich
Fruchtjoghurt cremig-stückig
Mal sehen, was da noch auf uns zukommt.
PS: Die Auflösung zur Bedeutung von „Herzhaft Mild“ ist übrigens ganz einfach und viel weniger strategisch. In diesem Kaffee sind zwei verschiedene Kaffeesorten gemischt, eine kräftige und eine milde. Und Begriffe wie „mittel“, „classic“ oder „durchschnittlich“ wollte man wohl vermeiden. Hätten Sie’s geahnt? Zum Glück ist aber nicht alles logisch in unserer Welt und in unserem Kopf, und deshalb kann der Name, so widersprüchlich er auch sein mag, in der Praxis funktionieren.
2015 war wieder eine Reise nach Wien angesagt: Naming-Workshop für die Frequentis, den Weltmarktführer für sicherheitskritische Kommunikationslösungen – z.B. für den Flugverkehr. Neben einigen Präzisierungen am Marketingkonzept erarbeiteten wir als Namensexperten zusammen mit den Mitarbeitern der Frequentis den neuen Markennamen für die ATM Networks.
Ergebnis der kreativen Übungen und vielfältigen Bewertungsrunden ist der vitalsphere. Unter dieser neuen Technologiemarke werden Datennetze vermarktet, die ein Höchstmaß anSicherheitund End-to-End-Performance bieten. In solcher Form ist diese in konventionellenNetzen nie verfügbar. Spezielle Brokerage-Services senken die Kosten für den Betrieb zudem deutlich.
Zu den Services im Portfolio von vitalsphere gehören Netzwerkdesign, Netzwerkintegration, intelligentes Routing, Netzwerkbetrieb, Netzwerkmanagement und Sicherheitskonzepte.
Alle technisch Interessierten finden mehr direkt auf den Seiten der Frequentis. Wer sich für B2B-Naming interessiert, findet hier ein Projekt für Julabo, und hier eines für Knorr-Bremse.