Wieso es zwei Mal Netto für das Gleiche in Deutschland gibt

Sie kennen sicher Aldi Süd und Aldi Nord. Wenn man mal über die Grenzen kommt, wundert man sich, warum das Logo nicht mehr stimmt, und warum der Kaffee auf einmal Markus oder eben Amaroy heißt. Der Hintergrund ist bekannt, es ist die Aufteilung eines Imperiums auf verschiedene Besitzer. Wobei insbesondere die Aufteilung des deutschen Marktes große Effizienzgewinne bei ihrer Auflösung ermöglichen wird. Aber hier geht es nicht um Aldi, es geht um Netto. Den Netto gibt es auch zweimal in Deutschland, aber ohne Nord und ohne Süd. Dafür einmal mit Kastenhund (Scottish Terrier), endemisch im Norden. Und einmal ohne das memorable Tier, dafür mit schreienden Kindern, endemisch im Süden.

Es gibt also Nettomärkte, die so aussehen:

Ladenansicht des Netto-Marktes in Pirna
Ein Netto Supermarkt in Pirna

Und es gibt Nettomärkte, die so aussehen:

Ladenansicht eines Netto Supermarkts in Nürnberg
Ein Netto Supermarkt in Nürnberg

Wir fassen zusammen: Supermärkte, die den gleichen Namen tragen, eine ähnliche Erkennungsfarbe haben, aber nicht zusammengehören. Nicht einmal so, wie die Aldimärkte, also über Trennung innerhalb einer verbundenen Familie. Da stellt sich natürlich die Frage:

Warum zwei Mal Netto?

Hier muss man in die Historie beider Supermarktketten einsteigen. Der nördliche Netto gehört zur dänischen Salling Group. Wie wir dem Wikipediaartikel dazu entnehmen können, wurde der erste Netto-Markt in Dänemark im Jahr 1981 eröffnet. 1990 wurde der erste in Deutschland eröffnet. Im selben Jahr wurde auch die Wortmarke NETTO von Salling in Deutschland angemeldet und eingetragen. Allerdings wurde das Warenverzeichnis in diesem Prozess noch angepasst, vermutlich reduziert. So findet sich z.B. nicht die Dienstleistung des Einzelhandels im Warenverzeichnis, sondern nur einzelne Produkte, so wie Senf, Seife oder Malz. Danach wurden diverse Marken angemeldet, aber keine für Einzelhandelsdienstleistungen. Erst 2006 kam die erste Wortmarke zur Anmeldung, die die originären Dienstleistungen eines Supermarkts umfasst.

Der südliche Netto führte Märkte unter diesem Namen 1983 ein. Bis 1990 gab es dann ca. 50 Filialen mit dem Namen in Bayern. Kürzen wir es ab, 2005 wurde der ganze, mittlerweile stark gewachsene, Netto von Edeka gekauft, die ganzen Plus Filialen integriert, und so gehörten viele Märkte außerhalb Bayerns, in ganz Deutschland, dazu. Zwischendrin, von 2005 bis 2012 war Edeka dann durch Zukäufe sogar Teileigentümer der dänischen Nettomärkte. Das wurde zu Neujahr 2013 wieder beendet und die Dänen gehörten wieder Dänen. Seither gibt es aufgrund der Expansion beider Ketten in vielen Bundesländern beide Arten von Nettomärkten. Man muss kein Großexperte sein, um zu ahnen, dass das marketingtechnisch nicht der Renner ist. Gleicher Name für gleiches Angebot – das ist letztlich das Gegenteil von Marke.

Ist der gleiche Name für verschiedene Supermärkte gut?

Der gleiche Name für Produkte oder Dienstleistungen verschiedener Anbieter ist keine gute Idee. Denn der Clou an der Marke, den Begriff zu monopolisieren, so dass er nur von ihrem Besitzer verwendet werden kann und für dessen Leistungen steht, der ist so natürlich verloren. Dann könnte man auch einfach so etwas draufschreiben:

Wort Supermarkt auf gelbem Grund Wort Geschäft auf gelbem Grund

Dann wüsste man zumindest gleich, worum es geht. Ein Name bzw. eine Marke, die von mehreren für das Gleiche verwendet wird, macht höchstens Sinn, wenn das abgesprochen ist und eine sinnvolle Strategie dahinter steht. Wie war das nun hier bei Netto und Netto?

Den Zeitpunkt verpasst

Irgendwo auf dem Weg ist hier mal etwas schiefgelaufen, denn letztlich können beide Unternehmen nicht glücklich sein mit der Situation. Mir fällt auch tatsächlich kein Beispiel ein, wo zwei Unternehmen oder Produkte in dieser Dimension eine solche Ähnlichkeit aufweisen. Wohl aus gutem Grund.

Anfang der Neunziger wäre die Lösung, eine Einigung wie auch immer, in den kleineren Dimensionen möglich gewesen. Wir wissen aber nicht, was vor 30 Jahren die Pläne der Unternehmen waren und ihre Beweggründe.

Kann man was draus lernen?

Ich denke schon. Im persönlichen Leben und auch im Geschäftsleben erledigt sich so manches einfach oder verliert an Wichtigkeit durch herzhaftes Ignorieren. Das funktioniert bei Marken im gewerblichen Rechtsschutz nicht so richtig. Wenn man betrachtet, wie ausnehmend viele Wort-Bild-Marken der Edeka-Netto angemeldet hat und anmelden muss, sieht man, dass der eingeschlagene Weg wohl nicht der Königsweg ist. Denn der Netto von Edeka hat im Gegensatz zu den Dänen keine Wortmarke NETTO, nicht mal für Malz oder Senf.

Lebenshilfe Lokalnamen – Tipps für Restaurantnamen

Heute mal was aus der Rubrik „Praktische Lebenshilfe“.

Stellen Sie sich vor, sie möchten ein Restaurant eröffnen. Sie sehen die besten Chancen für Indisch, Italienisch und Chinesisch – und jetzt brauchen Sie einen Namen. Aber natürlich nicht Wirtshaus zum goldenen Anker oder Altöttinger Stuben, sondern etwas Landestypisches. Etwas, wo man ins Träumen kommt, wo sich wunderbare, ferne Welten auftun. Also so was wie Roma oder Bombay Palace. Oder natürlich Shanghai: „Lebenshilfe Lokalnamen – Tipps für Restaurantnamen“ weiterlesen

Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto

Selten kann man die Absichten und Folgen der Namenswahl so schön erkennen wie bei Grenzgängen und Verletzungen. Bestes Beispiel ist ein Wein, der diese Woche bei Netto im Angebot ist: ein Grosses Gewächs zu 9,99 Euro. Für die Nichtweinafficionados, das ist so als bekäme man einen Champagner für 6,99 Euro, also eigenartig billig. Kenner werden stutzen – wie geht das, ein GG zu diesem Preis? Stimmt da vielleicht was mit dem Weinnamen nicht? „Täuschung trotz Nüchternheit: Irreführender Wein bei Netto“ weiterlesen

Trickreiche Alternative für Eiswein: Ice Royal Riesling

Wer sich ein wenig mit der deutschen Weinnomenklatur auskennt, der weiß, dass das ein komplexes und auch sehr ernst genommenes Thema ist. Die meisten haben sicher schon von Qualitätsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese gehört. Ziemlich weit oben in der letztlich auch preislich gestaffelten Skala, da steht der Eiswein. Zusammen mit der Trockenbeerenauslese.

Die findige Norma, mein Lieblingsdiscounter, weil es dort auch viele erstaunliche, fränkische Produkte gibt, hat sich nun etwas einfallen lassen. Ein Eiswein war wohl zu teuer fürs Sortiment, deshalb hat man einen „Quasi-Eiswein“ kreiert. „Trickreiche Alternative für Eiswein: Ice Royal Riesling“ weiterlesen

Kopie? Red 1 vs. Magenta 1: One gegen Eins

Schon das Neueste von Vodafone gesehen?

Vodafone Red 1 Tarif für Telco

Der neue Tarif, bei dem alles dabei ist, heißt Red One. Und, an was erinnert er?  Genau, an ein Angebot mit quasi gleichem Namen: an Magenta Eins von der Telekom. Ein Muster kann nicht geleugnet werden.

Vergleich Magenta Eins - Red One

Jetzt, wo es ganz ungeniert als neuer Goldstandard kopiert wird, komme ich zum Schluss, dass dieses Muster wohl den richtigen Namen für die richtige Sache zur richtigen Zeit ergeben hat.

Alles deutet darauf hin, dass wir es hier nicht mit einer Kopie, sondern mit ehrlichem Branding zu tun haben. Versprochen wird nix Spektakuläres, noch nie Dagewesenes. Noch nicht mal etwas Neues oder von der Konkurrenz Unterscheidbares. Einfach ein ganz normales Angebot, das (wohl) funktioniert und das man so auch nebenan kaufen kann. Eigentlich mal ganz schön, so unaufgeregter und entspannter Wettbewerb, als würden sich zwei an den Händen halten und gemeinsam gemächlich die Ziellinie über – äh – schreiten. Na, jetzt geht die Fantasie mit mir durch.

Weniger wohlwollend heißt das Ganze natürlich einfach Kopie oder Me-Too.

 

Kocht Jamie Oliver auch für Hunde?

In den Untiefen von Facebook stieß ich auf das Buch

Buch Jamies Backstube für Hundekekse

Ich dachte gleich, der Jamie Oliver, der macht echt vor nichts Halt, der kocht jetzt sogar für Hunde.  Nach kurzer Recherche stellte sich aber heraus, dass das Buch gar nicht vom omnipräsenten Fernsehkoch ist – trotz des Titels. Die Autoren sind Nea Rippitsch & Philipp Franz, der Verlag heißt „Jamies Backstube Verlag“, und die Website dazu hört auf www.jamies-backstube.com. Bei Amazon kann man das Werk auch leicht finden. Die Kunden und die Hunde scheinen sehr zufrieden damit, glaubt man den Rezensionen.

Warum ich das Ganze überhaupt erwähne – ich hätte es mich nicht getraut, mit diesem (natürlich sehr zugkräftigen) Titel an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass jemand bei „Jamies Backstube“ an einen bekannten Koch denkt, ist nicht unwahrscheinlich, eventuell sogar gewollt. Rechtliche Folgeprobleme sind in diesem Fall, nun ja, nicht 100prozentig auszuschließen. Dass der Hund, der ja alles überwacht und auch vom Buchdeckel schaut, wohl auf den Namen Jamie hört, ergibt vermutlich auch keine vollständige Absolution, wie eine befreundete Anwältin für gewerblichen Rechtsschutz ergänzte.

Aber vielleicht ist ja auch alles abgesprochen und geklärt, und ich mache mir ganz umsonst Gedanken. Oder es ist einfach egal.

 

Markenkopie? War Apple ein Epigone?

Wenn man fragt, was ein guter Markenname sei, wird oft „Apple“ genannt. Vermutlich hätten nur wenige Menschen in Deutschland den Mut gehabt „Apfel“ auf Elektronikartikel zu schreiben; und „Ananas“ oder „Pineapple“ auch nicht. Das ist ein sicheres Zeichen, dass wir es hier mit einer Verwechslung zu tun haben – nämlich nicht mit der Wertschätzung eines Namens, sondern einer Marke. Das ist natürlich etwas fundamental anderes. Aber lassen wir das. Denn bei Namen stellt sich eine wirklich interessante Frage: Woher? Und natürlich: Original oder Kopie?

Ich dachte ja immer, Computermarken wie Tulip oder Apricot (erinnert sich noch wer an die?) hätten in den 80ern das Fruchtkonzept von Apple abgeschaut. Das mag sogar richtig sein. Aber noch spannender ist die Frage, wie Apple zu Cherry steht. Fast jeder kennt Cherry als Hersteller hochwertiger Computertastaturen. Jetzt könnte man denken, naja, hat halt der Gründer von Cherry bei Apple geklaut. Klassischer Fall von Kopie. Aber weit gefehlt.

Apple vs. Cherry sehr ähnlich - Kopie?

Stimmt nicht. Kann gar nicht stimmen. Denn der Herr Cherry gründete seine Firma schon in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Vielleicht hat sich ja doch andersherum Steve Jobs inspirieren lassen. Und die Geschichte mit dem Apfelbauernhof und dem Alphabet – wie in der Wikipedia angeführt – war nur flankierend. Wer kennt schon sein Un(ter)bewusstes so genau? Vielleicht nicht mal Steve Jobs. Und seien wir mal ehrlich, was wären wir ohne die Inspiration aus der Umwelt und von anderen Menschen?

Aber wissen würd’ ich’s halt doch gern. Waren es am Ende gar die Beatles, mit deren Plattenfirma Apple Apple später so engagiert stritt?

 

PS: Interessant ist auch der Fall von Acorn und Acer. Acorn, eine englische Computermarke aus den 80ern, Acer so getauft in den Neunzigern, als Acorn schon auf dem absteigenden Ast war. Beide waren geschäftlich völlig unabhängig voneinander. Ach so, was die Ähnlichkeit nun ist? Acer ist nicht nur Lateinisch für „scharf“ oder eine Abwandlung des englischen „ace“ – es ist auch der lateinische Name für – Ahorn. Also irgendwie auch eine Kopie.

Galaxy Note 3 – Testnote oder Modell?

Man kennt ja Werbung mit Testurteilen. Am liebsten wird natürlich mit der Note 1 (= sehr gut) geworben. Verständlich. Umso kurioser, wenn man auf Werbung mit der Note 3 trifft, wie beim Galaxy Note 3. Es ist nicht schrecklich dramatisch, aber doch kurios: die Verbindung des englischen „Note“ mit dem Modell oder seiner Version, was im Deutschen Neues schafft:

Galaxy note 3 Name
Plakat von Vodafone mit dem Galaxy Note 3 von Samsung, © Werner Brandl