Qualitätssiegel: Wie sich das Reinheitsgebot von FRoSTA langsam durchgesetzt hat

Mit Sprache Gedanken lenken und die Marke gestalten

Das ist die Idee von Verbal Branding. Ein schönes Beispiel für eine gelungene sprachliche Lösung ist das Reinheitsgebot von FRoSTA. Wenn Sie es noch nicht kännten, was würden Sie sich vorstellen? Wohl auf jeden Fall etwas Sauberes, Reines. Letztlich ist der Begriff vom Bier bekannt und vertraut. Drogen sollten sauber sein, das war schon früher so. Und das ist sicher besser als gepanscht, gestreckt oder verunreinigt. Von anderen Lebensmitteln ist der Begriff nicht geläufig.

Nun werden heute in der Lebensmittelproduktion viele Hilfsstoffe eingesetzt, deren Anwendung teilweise Kundenwünschen wie langer Haltbarkeit oder starkem Geschmack, teilweise dem Ersatz wertvollerer Inhaltsstoffe dient. Ein klassisches Beispiel: Natürliches oder künstliches Aroma kann echtes Fleisch ersetzen. Oder noch eins: Die Kombination aus viel Essig und sehr, sehr viel Zucker, wie beim fertigen Krautsalat, ermöglicht ein gewaltiges MHD.

Der Beginn – ohne alles Überflüssige

Felix Ahlers von FRoSTA hatte Anfang der 2000er den Wunsch und die Idee, Tiefkühlkost ohne Zusatzstoffe herzustellen. Also ohne Aromen, Verdicker oder ähnliche, eigentlich wenig auffällige, Zusatzstoffe. Man kann die ganze Geschichte hier bei FRoSTA sehr schön nachlesen. Worum es mir geht: er brauchte einen Begriff, der verdeutlichte, was an den neuen Rezepturen anders war, und der auch rechtfertigen konnte, warum die neu entwickelten Produkte teurer als die früheren waren, der also eine höhere Wertigkeit vermittelte.

FRoSTA Nasi Goreng Reinheitsgebot
Packung Nasi Goreng und das Siegel in Groß, © FRoSTA

Dafür war der Begriff Reinheitsgebot 2003 eine wirklich gute Wahl. Ein Begriff, der aus anderem Bereich vertraut, und auch positiv besetzt ist. Denn ein Begriff wie „hausgemacht“ ist zwar vertraut, aber mittlerweile solide verbrannt. Er ist fast bedeutungslos geworden durch ungeregelte und massenweise Verwendung.

Spannend ist, dass der Wettbewerber Iglo völlig auf Zutatenhinweise verzichtet:

Bild von Iglo Fischstäbchen und Iglo TK Gnocchi
Bild von Iglo Fischstäbchen und Iglo TK Gnocchi, © Werner Brandl

Der Unterschied zu Clean Label

Jetzt fragen Sie vielleicht, ist das Reinheitsgebot nicht einfach Clean Label bzw. dessen Umsetzung? Clean Label tatsächlich durchzuziehen, ist nicht einfach, und wer liest schon genau die Zutatenlisten? In Deutschland wird meist das Fehlen einzelner Zusatzstoffe beworben, nicht ein vollständig „sauberes“ Produkt gekennzeichnet. Insofern passt der Begriff hier nicht ideal und wäre auch nicht hilfreich. Man kann also ein Produkt mit „ohne künstliche“ Aromen bewerben, während viele andere Helferlein enthalten sind. Die Konsumenten sind mittlerweile durchaus skeptisch, wenn ein Stoff herausgehoben nicht drin ist. Die Trickkisten dazu sind legendär, man denke nur an den Klassiker „Hefeextrakt statt Glutamat“. FRoSTA kann auf seine Packungen sein Qualitätssiegel = Reinheitsgebot draufschreiben, erklärend ergänzen, was alles nicht drin ist, und die Zutaten auf der Packung so groß und klar draufschreiben, dass man sieht, da ist nix Komisches drin.

Andere Ansätze

Spannend sind einige Ansätze anderer Marken im Foodsegment. Hier zwei Beispiele aus der Trockenwelt:

Maggi Grießklößchensuppe, Trockenpulver Packung
Grießklößchensuppe mit natürlichen Zutaten von Maggi, © Werner Brandl

Hier werden natürliche Zutaten ausgelobt, was vielversprechend klingt. Manche werden sich bei der Zutatenliste wundern, was alles als „natürlich“ gelten kann.

Auch bei Knorr eine interessante Deklaration auf der Front. Ein subtiler Hinweis auf Natürlichkeit und die Leugnung geschmacksverstärkender Zusatzstoffe. In der Zutatenliste dann Aromen und Hefeextrakt. Die Deklaration von Lebensmitteln ist schon eine eigene Wissenschaft.

Knorr Champignon-Sauce Trockenpulver Packung
Champignon-Sauce von Knorr, © Werner Brandl

Eigenständigkeit kann sich auszahlen

Was kann man lernen? Einmal, dass vieles sehr lange dauert. Geduld (und finanzielles Rückgrat) sind nötig. Das mit dem Reinheitsgebot hat nicht ab dem ersten Tag funktioniert, und sich definitiv nicht schnell gerechnet. Aber auch, dass ein griffiger Begriff (muss nicht mal eine eingetragene Marke sein!) zusammen mit entsprechender Handlung etwas in Bewegung setzen kann. Und natürlich, dass man nicht auf gesetzliche Regelungen warten muss, um bessere Produkte zu machen und klarer zu deklarieren. Schön sieht man das bei FRoSTA an der Tatsache, dass sie die Herkunft aller Zutaten angeben. Sie müssen es nicht, aber sie wollen es, und die Kunden schätzen es offensichtlich.

Hier noch zwei Beispiele, wie andere Marken „eigene“ Begriffe, die entfernt an das Reinheitsgebot erinnern, eingeführt haben:

Das Hilcona Besseresser-Versprechen, das stark ans ZDF erinnert:

Hilcona Packung Tortellini mit Siegel
Packung Tortellini von Hilcona mit Besseresser-Versprechen, © Werner Brandl

Das „frisch auf den Teller“-Gefühl” von Jütro:

Bild von Jütro Chili con Carne mit Reis
Packung Chili con Carne mit Reis von Jütro mit vielen Informationen, © Werner Brandl

PS: Wer sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, für den ist die Aktienanalyse zu FRoSTA sicher eine Empfehlung, bei der der große Konkurrent Nomad nicht zu kurz kommt.

Testo Instruments: Einfach ein passender Name

Manchmal braucht es keinen komplizierten oder spektakulären Namen – manchmal ist die beste Wahl ein ganz einfacher und klarer Name. Genau das trifft auf „Instruments“ zu, die neue Bezeichnung für die wichtigste Division des Messtechnik-Unternehmens Testo. Ein Name, der genau das ausdrückt, was er soll – und das ohne Erklärungsbedarf.

Eine klare Struktur für Testo

Der Namenszusatz „Instruments“ wird künftig das klassische Hauptgeschäft des Unternehmens bezeichnen. Die Division ist verantwortlich für messtechnische Geräte und Lösungen für unterschiedlichste Branchen. Zudem schafft dieser Zusatz Orientierung im Unternehmen – nach innen wie nach außen. Mit „Instruments“ ergänzt Testo seine bestehenden vier Divisionen „Testo Instruments: Einfach ein passender Name“ weiterlesen

Knorr-Bremse Data2Action: Mehrwert für Kunden

Data2Action: Mit neuem Namen in die smarte Zukunft von Knorr-Bremse

Daten sind großartig – aber nur, wenn auch etwas mit ihnen anzufangen ist. Genau darum geht es beim neuen Programmnamen Data2Action, den ich für das Unternehmen Knorr-Bremse, dem Weltmarktführer für Bremssysteme in Schienenfahrzeugen, entwickelt habe. Data2Action ist ein gutes Beispiel dafür, dass Namen besonders effektiv sind, wenn sie einfach gestaltet sind und den Produktnutzen sofort deutlich machen. Klassische Markenkriterien wie Eintragbarkeit als Wortmarke können dann in den Hintergrund treten. „Knorr-Bremse Data2Action: Mehrwert für Kunden“ weiterlesen

Alkoholkrank, aber heroinsüchtig? Drogen, Sucht und feine Unterschiede

Alkoholkrank oder alkoholabhängig? Heroinabhängig oder heroinkrank? Oder einfach süchtig? Sie wundern sich vielleicht und sagen „alles nicht prickelnd“. Ja, stimmt, aber bei näherem Blick wird hier mit wenigen Worten etwas ganz anderes gesagt: sehr viel über das Verhältnis unserer Gesellschaft zu unterschiedlichen Drogen.

Platzhirsch Alkohol

„Alkoholkrank, aber heroinsüchtig? Drogen, Sucht und feine Unterschiede“ weiterlesen

Das Tempolimit – die Lösung ist so einfach

Das Tempolimit, die arme Sau. Unsere Zeit hat viele ungeliebte Begriffe: Wärmepumpe, Energieeffizienz, Klimakleber, CO2, Klimaerwärmung. Der mit den wenigsten Freunden (oder zumindest denen, die am lautesten schreien) ist aber definitiv das Tempolimit. Und das zu Recht.

Kurz zu den Fakten: Eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen auf 100 km/h hätte folgende Auswirkungen:

  • Längere Reisezeiten, was aber nach Größenvergleich USA-D tragbar erscheint
  • Weniger Unfälle
  • Ca. 30% weniger Spritverbrauch und analog auch CO2-Ausstoß
  • Niedrigere Spritkosten, wiederum ca. 30% für die Autofahrer
  • Entspannteres und stressfreies Reisen
  • Gravierendste Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit

Mehr dazu findet man hier. Fun Fact: Führen alle nur noch Tempo 100 auf der Autobahn, hätte das den Effekt enorm vieler ausgetauschter Heizungen. Aber natürlich um den Preis des volkswirtschaftlichen Suizids: keine neuen Autos, keine neuen Heizungen, kein Verschrotten, weniger Benzin. Die Leute hätten auch noch einfach mehr Geld. Manche aber auch keine Arbeit mehr. Geht so nicht. Neben diesem wirklich guten Grund gibt es noch ein anderes Hemmnis an der Sache: Nein, nicht die FDP, nicht der ADAC, es ist unsere Sprache. „Das Tempolimit – die Lösung ist so einfach“ weiterlesen

GORE-TEX Extraguard: Innovative Technologie, neuer Name

Jetzt ist die neue Ingredient Brand endlich öffentlich! Das erste superrobuste GORE-TEX Laminat, das außen auf dem Kleidungsstück aufliegt, ist da! Bei einer Jacke mit GORE-TEX ist das Laminat, das die atmungsaktive Funktionalität aufweist, nicht auf der Außenseite. Es ist in einer Zwischenschicht verarbeitet, weil es traditionell keine harten Belastungen von außen erträgt. Beim neuen Laminat ist das völlig anders. Es ist auf der Außenseite verarbeitet und kann so „GORE-TEX Extraguard: Innovative Technologie, neuer Name“ weiterlesen

Neues Namenssystem aus Kundensicht für Knorr-Bremse Rail

Brems-Verstärker: 100 neue Namen aufs Gleis gesetzt

Wenn im tschechischen Brno bald neue Straßenbahnen fahren, dann sind Bremskomponenten von Knorr-Bremse an Bord – und meine Namen: „AirSupply“ heißt die Luftversorgung, „MagnetControl“ die Magnetschienenbremse und „SandGrip“ die Sandung. Das sind drei von mehr als 100 Namen im neuen Namenssystem. „Neues Namenssystem aus Kundensicht für Knorr-Bremse Rail“ weiterlesen

„Digital Thinking“ – neue Weiterbildung von Haufe

  • Wie stellen sich Kanzleien auf die Veränderungen der Zeit ein?
  • Was macht der Steuerberater, wenn die Buchhaltung vom Team Scanner/KI gemacht wird?
  • Wie kann man digitale Denkweisen nutzen, um das eigene Angebot zu verbessern – oder sogar auszubauen?

Die Herausforderungen für Steuerberater sind heute vielfältig wie nie: Kunden werden autonomer und erledigen Steuerbelange selbst, technische Entwicklungen lassen keinen Stein auf dem anderen. Das Geschäftsmodell läuft also nicht einfach weiter, „„Digital Thinking“ – neue Weiterbildung von Haufe“ weiterlesen