Der Reiz von fremdsprachlichen Namen ist ein echter Dauerbrenner im Namensgeschäft. In Deutschland ist natürlich das Englische als Spendersprache besonders prominent. So klingen simple Begriffe im Englischen angeblich „einfach besser“ als im Deutschen, sei es als Übersetzung oder Lehnbildung. Oft wird es freilich lächerlich, so wie bei „Soccer Cups“ an Münchner Grundschulen.
Der Name „Mitteilungen vom unteilbaren Werk” steht für eine Sammlung von sechs CDs, die bei Telos Music erschienen sind. Kuratorin, Künstlerin und Interpretin in einem ist Pi-hsien Chen. Rätselhaft wirkt dieser Titel – das zweimal vorkommende Element „teil“ trägt dazu bei, die klangliche Analogie zu „von unschätzbarem Wert” ebenso. Vor allem aber wirkt seine spontane inhaltliche Unzugänglichkeit. „Pi-hsien Chen: Titel „Mitteilungen vom unteilbaren Werk““ weiterlesen
Viele Menschen aus anderen Gegenden ziehen nach Bayern. Natürlich kommt man dann gut mit Deutsch / Hochdeutsch zurecht. Aber man kann seinen Wortschatz ja auch erweitern. Die Ursprungsbayern unter den Lesern können sich wehmütig erinnern. Ich habe darauf geachtet, klanglich besonders ansprechende Repräsentanten mit Fokus auf Oberbayern auszuwählen. Voilà:
Loamsiada: langsamer, schwungloser Mensch – Schlaffi
Übertragung ins Hochdeutsche: Leimkocher
Ruach: geiziger, geldgieriger Mensch
Übertragung ins Hochdeutsche: schwierig, hat mit dem Ruch zu tun
Roozbibbm: Rotznase, traditionell gern für kleine Mädchen verwendet
Übertragung ins Hochdeutsche: Rotznase
Bazi: Durchtriebener Mensch, teilweise auch bewundernd verwendet
Übertragung ins Hochdeutsche: schwierig, Kürzung aus Lumpazius
Zwiderwurzn: Unausstehlicher, übellauniger Mensch, oft Frau oder Kind
Übertragung ins Hochdeutsche: Ärgerwurzel
Beitlschneider: Jemand verlangt für eine Leistung unverschämt (zu) viel Geld
Übertragung ins Hochdeutsche: Beutelschneider
Depp: Idiot, Einfaltspinsel auch zur Eigenkennzeichnung gern verwendet
Übertragung ins Hochdeutsche: schwierig, aber mit täppisch verwandt
Gschwoischädl: Aufgeblasener Kerl, der meint, er wäre was ganz Besonderes
Übertragung ins Hochdeutsche: Schwellkopf
Lapp: Mensch, der sich alles gefallen lässt
Übertragung ins Hochdeutsche: Läppisch
Siebngscheit: Wichtigtuerische, neunmalkluge Person, die nervt
Übertragung ins Hochdeutsche: Neunmalklug
Dank für Inspiration und Information geht wieder an Franz Ringseis für sein „Neues Bayerisches Wörterbuch“ und an Ludwig Zehenter für „Bairisches Deutsch“. Die Übertragungen ins Hochdeutsche sind natürlich oft nur vage Annäherungen.
Da soll noch einer sagen, mit deutschen beschreibenden Begriffen könne man nix machen. Ich hatte ja schon über Foidhendln berichtet und über andere mehr oder weniger verschleiernde Begriffe in der Kulinarik, aber nun ist mir etwas Bemerkenswertes im Biomarkt untergekommen: Feldnüsse.
Feldnüsse kennt man so natürlich nicht, aber sie klingen bodenständig und naturnah, fast wild. Außerdem sind Nüsse ja per se hochwertig. Kurioserweise handelt es sich bei den Feldnüssen einfach um eine Umbenennung der Sojabohnen, wie es im englischsprachigen, kleingeschriebenen Untertitel auch heißt. Vielleicht verkaufen sie sich so ja besser.
Mancher weiß schon, dass ich ein Freund der deutschen Sprache bin. Als ich auf neue deutsche Pullibezeichnungen stieß, war ich erst einmal überrascht. Ich finde, man muss die Namen ein wenig sacken lassen, und man sollte Ihnen ein wenig Zeit geben um zu wirken, Zeit um mit Ihnen vertraut zu werden. Wovon ich spreche? Von:
1. Fransenhülle
2. Schalkragenhülle
Letztlich lassen mich die beiden Bezeichnungen etwas ratlos zurück. Ich finde sie nicht besonders schön, eher leicht irritierend, und, wie gesagt, gewöhnungsbedürftig. Immerhin hat sich jemand Gedanken gemacht, auch wenn ich „Hülle“ nicht den schmiegendsten Begriff überhaupt finde. Hüllen sind ja nicht dafür bekannt besonders kuschlig zu sein. Aber man muss bedenken: erst mal was Besseres finden. Sicher interessant in diesem Zusammenhang ist der Begriff „Softshell“, der ja in Deutschland verwendet wird. Auch der wäre eine schicke Herausforderung für jeden Namenmacher. Kreativität und Innovation sollten hier mal eine Verbindung eingehen.
Damit das Verhältnis der Namen zum Produkt etwas klarer wird, hier die Abbildungen der beiden (neuen) Kleidungsstücke aus dem Prospekt von Konen, der diese innovativen Begriffe herausgebracht hat:
FransenhuelleSchalkragenhuelle
Mal sehen, ob die neuen Begriffe sich durchsetzen. Mutig ist der Schritt auf jeden Fall. Eine andere mutige deutsche Bezeichnung ist die gelebte Jeans von Mey & Edlich.
Am liebsten stelle ich Projekte aus eigener Hand vor, am zweitliebsten Fundstücke, die mir gefallen. Heute letzteres – das Uhrmodell Minimatik von NOMOS.
Schön und gelungen finde ich diesen auf Deutsch geschriebenen Namen der Minimatik, ein Modell neben Tangente, Ahoi und anderen. Dieses Uhrmodell ist ausschließlich mit dem neuen Automatikwerk mit der Bezeichnung Neomatik erhältlich.
Damit wird es dann aber ein klein wenig weniger positiv, denn die Dopplung, wie man sie auf dem Boden der Uhr auch sehen kann – Minimatik mit Neomatik Werk (das zusätzlich noch auf das Kürzel DUW 3001 hört) fordert durch die Ähnlichkeit der Namen Verwechslungen und Verwirrung heraus. Ich muss gestehen, ich habe eine Weile gebraucht, um die Differenzierungen innerhalb des Portfolios und der Modelle tatsächlich zu verstehen. Denn es ist ja nicht so, dass es nur die Minimatik mit dem Automatikwerk Neomatik gäbe. Und andere Automatikmodelle, wie die Tangomat sind sogar flacher. Wie war das gleich? Ich wollte doch ein positives Beispiel vorstellen…
Und dennoch, trotz arg viel Matik – Minimatik gefällt mir. Vielleicht auch, weil es mich an die Minivox von Junghans erinnert, und positive Assoziationen sind halt hilfreich.
PS: Wer sich für Uhren interessiert – ich habe auch mal über die Uhren von Uhr geschrieben.
Mal was Amüsantes für zwischendurch: Schuhe der Marke „FRAU“ – gefunden in Italien.
Hinter dem für deutsche Ohren vertrauten Wort, aber in diesem Kontext ungewöhnlich klingenden Markennamen, steht ein gerade in Norditalien gängiger Nachname – eben Frau. So kommt auch die Schuhmarke „Frau“ aus der Gegend von Verona. Den Luxusaffinen unter uns ist sicher die ebenfalls italienische Möbelmarke „Poltrona Frau“ ein Begriff.
In Deutschland wirken solche Namen erst einmal etwas eigenartig und zumindest rätselhaft. An vieles muss man sich erst gewöhnen. Das war bei „Apple“ vielleicht ja auch mal so. Wobei man einschränken muss, dass es sicher Markennamen gibt, die in Deutschland mehr Potential – auch bei Männern 😉 – für Lederwaren hätten.
Vielen Dank für die Trouvaille an Prof. Schulze von der FH Deggendorf!