Claim IHR PLUS AN – es geht auch anders!

Nachtrag zu meinem Artikel vom 22.10.2012.

Es geschehen Zeichen und Wunder. Die VR-Banken haben Ihren Claim bzw. ihr Motto „IHR + AN Vorteile Sichern“ bzw. dessen Darstellung so geändert, dass nun auch nicht an der Kreation beteiligte es verstehen können (vgl. Beitrag dazu im Blog). Letzte Woche gab es ganzseitige Anzeigen der R+V bzw. der Volksbanken Raiffeisenbanken, auf denen ein großes blaues Kreuz zu sehen ist, in dem steht:

Verbesserter „IHR PLUS AN“ Claim der VR Banken
Verbesserte Schreibung des „IHR + AN“ Claims

Ausgeschrieben ist das doch schon eine ganz andere Sache.

Mit dieser positiven Veränderung kann das Jahr zu Ende gehen, ich wünsche allen Lesern feine Feiertage und ein wunderbares neues Jahr 2013!

Audi Freisprechanlage – Kann man Audi und Audi verwechseln?

Sehr überraschend ist es immer, wenn man vertraute Markennamen in ganz anderem Kontext erlebt. So zum Beispiel in einem Artikel der FAZ, mit der Überschrift „Der besonders schöne Freisprecher“ und dem Untertitel „Das Audi Office von Invoxia für Musik und Telefonie.“ Wenn der Leser sich noch den Rubriktitel „Technik und Motor“ dazudenkt, dann ist wahrscheinlich nachvollziehbar, dass ich gleich an eine Freisprecheinrichtung von Audi dachte, z.B. von einem anderen Unternehmen für Audi produziert. Aber weit gefehlt.

Es handelt sich um eine stationäre Freisprechdockingstation von einer Firma namens Invoxia, primär gemacht für die Aufnahme von i-Phones. Hier ein Bild des in der Tat sehr ästhetischen Gerätes:

Bild des AudiOffice von Invoxia
Vielen Dank für das Bildmaterial an Invoxia!

Interessant in diesem Zusammenhang wäre sicher die Auffassung der Audi AG, die ja im Besitz einer Vielzahl von Audi-Marken, auch für technische Geräte wie Freisprecheinrichtungen, ist, und ein klares Namenssystem etabliert hat.

Weitere Fälle wo ein bekannter Name in völlig anderem Kontext auftaucht: Mercedes-Staubsauger und Hauschka Kosmetik vs. Musiker – und zum Glück muss das nicht immer problematisch sein.

 

Der ultimative Bäckereiname – come bäck erei: Rubrik Unglaublich

Es gibt viele erstaunliche Namen für Bäckereien und insbesondere Backshops. Schlichtweg unglaublich ist die folgende Trouvaille aus Österreich (bitte die Qualität entschuldigen, ist aus dem fahrenden Fahrzeug heraus aufgenommen):

Bäckereiname zum Staunen: come bäck erei
Bäckerei mit bemerkenswertem Namen, © Werner Brandl

Noch besser würde der Name natürlich passen für eine Hütte, wo abgehalfterte Stars reingehen, und comebackreife, runderneuerte, fit gemachte Wiederstars herauskommen. Vielen Dank für diese Interpretation an Herrn Pohl!

 

IHR + AN Vorteile Sichern. VR Banken, was heißt das?

Wie kann man auf Flyer und Broschüren folgenden, nun ja, am ehesten wohl Claim, draufschreiben?

IHR + AN Vorteile Sichern: eigenartiger Claim der VR Banken
Eigenartiger Claim auf Werbematerialien der VR Banken im Herbst 2012

Wundern Sie sich auch? Vielleicht sind Sie ja besonders gesegnet und können das verstehen. Die Leute in der Bank nicht, die blenden das einfach aus. Klassischer Fall von kognitiver Dissonanz. Dabei steht dieses Werk in seiner eigenwilligen Gestaltung auf einer ganzen Menge von Flyern und Prospekten prominent drauf. Bei genauem Nachfragen und Beharren zeigen sich dann die Hilflosigkeit und das Unverständnis in ihrer ganzen Pracht. Hier sollte mal jemand den Weg frei machen.

Entsprechend stellen sich folgende Fragen:

  • Warum macht man so etwas? Es wird doch nicht der Wunsch sein, so den großen Buzz zu entfachen?
  • Warum vereitelt man absichtlich Kommunikation in einem Kommunikationsmittel? Wofür diese „Gestaltung“?
  • Und, vor allem: Warum verhindert das keiner?

 

PS: Warum dieses obskure Objekt keiner Begierde leider in meinem Blog auftauchen musste: Es ist bei den VR Banken so präsent in Verkaufsmaterialien und Werbung, dass ich darauf reagieren muss.

Weitere Claims und Slogans die mehr oder weniger überzeugen: Air Berlin Claim ‘Your Airline‘, HVB Unternehmer Bank und Ihr Plus an. Drei Unternehmen, drei verschiedene Ansätze.

 

Serviceplan Facit – Die Made der Innovation. Greislich.

Deutsch und Englisch – wann was?

Auf einer Tagung. Stände verschiedener Dienstleister sind aufgebaut. Marktforscher, Verleger, Personalvermittler. Auf einem der Stände liegen lustige Flyer aus. Darauf steht: Made der Innovationstreiber. Nicht so richtig anziehend. Da ich berufsbedingt notorisch neugierig bin und gerne analysiere, habe ich natürlich gleich die Auflösung im Kopf: eine quasi subkutane Analysemethode, die das Innerste herausarbeitet und dann am Ende die Verwandlung in eine perfekte Innovation. Zugegeben, man muss sich schon etwas bemühen, um auf eine solche Auflösung zu kommen.

Der Abgleich mit den Unternehmensbotschafterinnen von Facit offenbart dann eine viel unspektakulärere Auflösung, und viel weniger Wagemut als vielmehr eigenwillige Kommunikation: Man muss es anders lesen. „Made“ ist nicht Deutsch, sondern Englisch, „der Innovationstreiber“ ist natürlich Deutsch. Warum man der kleinen Made dann nicht wenigstens ein Komma zur Abgrenzung spendiert hat, bleibt wohl das Geheimnis der Verantwortlichen.

Es spricht natürlich nichts dagegen, englische Begriffe auch in deutschem Sprachkontext zu verwenden, aber eine verständliche Kommunikation ist auch heute immer noch sinnvoll. Finde zumindest ich.

PS: Geht es nicht auch eigentlich um “make” statt “made”?

 

Beweis gefunden: Namen wirken und machen den Unterschied I

Was haben wir nicht alles der Forschung zu verdanken – nun sogar den Beweis, dass Namen einen Unterschied machen. Es war ja weitflächig in der Presse, dass Kinder laut einer amerikanischen Studie Gemüse bzw. Rohkost lieber essen als das traditionell generisch benannte, dass also z.B. „Power Punch Broccoli“ besser ankommt als „Broccoli“. Schön.

Ohne Studiendesign und Methodik genauer zu kennen und insbesondere ohne Wissen über die Langzeitwirkung möchte ich deshalb das Augenmerk auf einen ganz anderen Aspekt legen: Die Anregung für die Studie scheint eins zu eins aus den erfolgreichen Charlie & Lola Filmen bzw. Büchern übernommen worden zu sein, wo Charlie seiner Schwester diverse Lebensmittel mithilfe sehr netter neuer Namen schmackhaft macht.

So nennt Charlie die Fischstäbchen eben nicht mehr „fish fingers“, sondern „ocean nibbles from under the sea“, die Gelberüben heißen nicht mehr „carrots“, sondern, „orange twiglets from Jupiter“, Erbsen sind nicht „peas“, sondern „green drops from greenland“. Hier können Sie sich selbst ein Bild machen (ist übrigens lustig!):

– Nachtrag Dezember 2012: An dieser Stelle war der Videokasten. Das Video wurde leider aus Youtube entfernt und war so nicht mehr zugänglich.

Mal ganz ehrlich: Wen überrascht es, dass attraktive, spannende, ungewöhnliche, ungewohnte Namen für völlig bekannte und vertraute Dinge Neugierde wecken und auch das Verhalten beeinflussen? Bitter wäre es andersherum.

 

Adressen als Firmennamen – Immer wieder zum Wundern

Gerade bin ich wieder darüber gestolpert. Adressen als Geschäftsnamen:

Adressen als Geschäftsnamen - Beispiele zur Illustration
Adressen als mögliche Firmennamen, mit Straßenbasis

Was soll das?

Warum macht man so etwas für ein Architekturbüro, einen Designladen oder sogar ein Café? Natürlich sage ich immer, jetzt warten Sie mal mit weltweit, wenn ein Neugeschäfteröffner anfragt und schon im Geiste den Erdball erobert hat.

Aber muss man sich denn im anderen Extrem wirklich auf eine Hausnummer in einer Straße festlegen? Sind denn die Hausnummer und der von der Stadt vergebene Straßenname so super, dass man das ausloben muss? Und natürlich, ganz banal: Was ist beim Umzug? Da gibt es vielleicht eingeschränkte Möglichkeiten, in anderen Städten die identische Adresse zu bekommen.

Wohl dem, der einen Bahnhofstraßennamen hat. Da steht eine neue Location natürlich schon Gewehr bei Fuß, egal, wohin man geht. Auch wieder charmant.

Mehr zur Adresse als Namensstrategie mit anderen Perspektiven: Firmen und ihre Straßennamen und Immobilien-Branding mit Objektnamen.

 

Windows Phone – wäre es nach Rebranding erfolgreicher?

Vielleicht bin ich nicht der einzige, der sich diese Frage immer wieder stellt: Wäre Windows Phone, das Betriebssystem von Microsoft für Handys, unter einem anderen Namen erfolgreicher? Würden Windows Smartphones unter anderem Label auf weniger Vorbehalte treffen? Um es ganz konkret zu formulieren: Welchen Nutzen zieht Microsoft daraus, dieses Softwareprodukt unter der Marke Windows zu vermarkten?

So etwas frage ich mich nach jedem Test, bei dem wieder festgestellt wird, dass Windows hervorragend funktioniert. Nur kaufen will es keiner. Die Kriterien für den Kauf eines Smartphones in den letzten Jahren haben sich verschoben. Ich spiele auf die Verfügbarkeit von gefühlten 10.000.000 Apps an, damit ein Betriebssystem ernstzunehmen ist. Eigentlich kurios, dass ein Smartphone nicht fertig gekauft wird, sondern erst durch die persönliche Konfiguration zum fertigen Produkt wird. Wobei die meisten individualisierten Smartphones einander am Ende dann wieder erschreckend gleichen.

Bis vor zwei Jahren hieß Windows Phone noch Windows Mobile. Eine Namensänderung, deren Hintergründe ich gerne wissen wollte. Warum wurde Mobile in Phone umbenannt, und warum läuft beides unter der Marke Windows? Ein Name, der bei manchen Menschen Erinnerungen an Patch Day, schwere Systemfehler oder Angstmacher wie Vista wachruft.

Leider wurde meine Anfrage an Microsoft mit einigen Fragen zum Thema negativ beschieden: „Microsoft hat zu dem Thema keine Informationen veröffentlicht.“ Dann soll sich einfach jeder selber etwas ausdenken.

Ich finde, es ist einige Gedanken wert, ob eine Namensänderung von Windows zu einem neuen Namen und einer neuen Marke hier sinnvoll (gewesen) wäre. Die Neugestaltung des Windows Logos für diesen Applikationsbereich deutet darauf hin, dass man bei Microsoft wohl teilweise solche Gedanken sehr gut nachvollziehen kann.

 

PS: Nie meine Intention, aber nun ganz passend zu lesen, dass Nokia die Lumias verramschen muss, da Windows Phone 7.5 nicht updatefähig auf die 8.0 Version ist.  Vielleicht war ja Windows doch die ehrlichere Variante der Markierung, und nicht das Rebranding.