Warum nur Klumpenrisiko und nicht Megachance?

In vielen Medien gibt es Finanzberatung für Amateure. So auch in der Süddeutschen Zeitung. Dort werden im Depotcheck Portfolios analysiert und Tipps gegeben, wie man das Depot verbessern kann. Kleiner Spoiler, die Lösung ist so gut wie immer ein Portfolio aus ETFs, mit leicht variierter Gewichtung von Aktien und Anleihen. Egal wie gut Einzeltitel laufen mögen, es wird generell davon abgeraten sie zu halten. Ziemlich langweilig. Bei unabhängigen Stellen wie Finanztip ist es nicht anders. Bloß die Finger weg von Einzelaktien! Das Klumpenrisiko! So sieht das aus, wenn man alle Eier in einen Korb … Nur nicht runterwerfen.

Eier in einem Körbchen als Verbildlichung des Rates "nicht alle Eier in einen Korb legen"
© indigolotos/Shotshop.com

Was ist das Phänomen des Klumpenrisikos?

Wenn nun jemand doch eine Einzelaktie (oder mehrere) hält, so wird ihm ein Klumpenrisiko attestiert, egal ob mit Siemens oder Micro-Biotechbude. Das Klumpenrisiko ist letztlich ein Konzentrationsrisiko. Es ist das Gegenteil von dem, was Diversifikation erreicht. Das ist plausibel, denn Konzentration erhöht das Verlustrisiko, wenn ein schädliches Ereignis genau die angeklumpte Masse trifft. Zwei Fragen dabei sind spannend:

  • Ab wann ist ein Klumpen ein Klumpen?
  • Für mich aber vor allem: warum kann der Klumpen nur Gefährliches, nämlich Risiko?

Die erste Frage bzw. Antwort ist Definitionssache, und hängt vom Verhältnis zur Gesamtmenge ab. Für manchen beginnt ein Klumpen erst bei 20%, für andere bereits bei 3% Anteil. Das kann man pauschal nicht allgemeingültig abgrenzen. Interessanter ist die zweite Frage – wieso hat der Klumpen nur eine dunkle Seite, die mit dem Risiko?

Risiko klingt deutlich schlechter als Chance

Ein Blick auf den Roulette-Tisch hilft: Setzen Sie auf Schwarz oder Rot, liegt Ihre Gewinnchance bei 50%, also ziemlich gut, zumindest die beste, die das Roulettespiel im Angebot hat. Ihre Gewinnaussicht ist die Verdopplung. Setzen Sie dagegen stattdessen auf eine Einzelzahl, sinkt die Gewinnchance auf sehr überschaubare 2,7% – dafür winkt das 35fache als Gewinn, und nicht bloß der Einsatz. Während im ersten Fall aus einem Euro zwei Euro werden, werden im zweiten aus einem Euro lässige sechsunddreißig.

Nun zur Sprache: Beim Roulettespielen würde wohl niemand sagen, wer auf eine Einzelzahl setzt, gehe ein hohes Klumpenrisiko ein. Man würde eher davon sprechen, dass hier Chancen lauern, dass jemand risikobereit ist, dass jemand wagemutig ist, dass jemand sein Glück herausfordert. Auf jeden Fall keine Rede von Klumpenrisiko. Damit ist klar, es kommt auf den Kontext an. Und der Begriff des Risikos ist in allen Lebensbereichen ziemlich deutlich negativ konnotiert.

Die Begriffe an der Börse und im Casino

Übertrüge man die Spielsituation aus dem Casino auf die Börse, wäre die Entsprechung zum Setzen auf Schwarz und Rot die maximale Diversifikation – also das Geld auf alle Aktien der Welt verteilt. Nur, würde man sagen, das ist aussichtsreich und verspricht eine glänzende Zukunft? Hier zeigt sich: Die Streuung ist nicht nur sicher, sie reduziert auch die Gewinnmöglichkeiten. Der Klumpen ist nicht nur die Gefahr, der Klumpen trägt auch die Chance in sich – er kann auch gut sein. Eine Eigenschaft, die der Begriff „Risiko“ vollständig ausblendet.

Verständlich, dass Medien wie die Süddeutsche keine Zockerkonzepte promoten, und nicht zum Einstieg in kanadische Goldexplorationsaktien raten. Aber warum sind einzelne Titel, selbst wenn sie oft ein gewaltiges Geschäft, starke Diversifikation und sogar geografische Streuung bieten (z.B. Siemens) quasi verboten?  Diese Sicht nimmt eine ganze Menge weg: Manche Leute möchten sich fokussieren, manche können sogar die Verantwortung dafür tragen, denn darauf kommt es ja letztlich an. Und mit diversifizierten zehn oder zwanzig Papieren wird der Klumpen schon ein kleines System. Mal ganz abgesehen davon, dass nicht jeder BHP Billiton oder General Dynamics einzeln kaufen würde, im ETF aber natürlich schon. Früher gab es ja sogar ethische Aspekte beim Investieren während man jetzt einfach wahllos auf das ganze Angebot setzt.

Eindeutig richtig, aber es fehlt was Entscheidendes

Für mich ist klar: Der Begriff des Klumpenrisikos ist sehr negativ, egal in welchem Medium. Gleichzeitig ist er natürlich völlig korrekt. Und doch fehlt bei dieser eindimensionalen Betrachtung die positive, die aussichtsreiche Seite. Um diese zu bezeichnen oder auch nur anklingen zu lassen, ist der Begriff natürlich ungeeignet.

Die Top 12 des guten Klumpenrisikos

Deshalb zum kreativen Teil. Wir brauchen einen besseren Begriff für das Klumpenrisiko, einen positiven Begriff, der die Chancen durch das eigenverantwortliche Handeln, das Konzentrieren von Investments bei gleichzeitigem Inkaufnehmen höherer Risiken vermittelt. Also frisch ans Werk:

  1. Klumpenchance – das einfachste Pendant
  2. Fokuschance – mit wirklich komischem Schriftbild
  3. Konzentrationsmut – da haben Sie aber ….
  4. Überzeugungswette – neutral, aber mit Verlustpotential
  5. Selekt-Strategie – fokussiert die Überlegtheit
  6. Volltreffer-Position – nimmt den Erfolg schon vorweg
  7. Klotzgewinn – das Gegenstück zu „klotzen statt kleckern“
  8. Klumpenkick – die wildere Chance
  9. Überzeugungsposition – wirklich sehr neutral
  10. Konzentrationsposition – etwas technischer
  11. Schwerpunktwette – wieder ehrlich mit Verlustpotential
  12. Jackpot-Konzept – ehrlich und inhaltsklar

 

Naming & Branding

Der richtige Name entscheidet.

Professionelle Namensgebung für Marken, Produkte & Unternehmen - mit System, Strategie und kreativem Gespür.

Markenname Produktname Namensentscheidung
> Zur Naming-Agentur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert