Neue deutsche Pullis entdeckt – Innovation und Kreativität

Mancher weiß schon, dass ich ein Freund der deutschen Sprache bin. Als ich auf neue deutsche Pullibezeichnungen stieß, war ich erst einmal überrascht. Ich finde, man muss die Namen ein wenig sacken lassen, und man sollte Ihnen ein wenig Zeit geben um zu wirken, Zeit um mit Ihnen vertraut zu werden. Wovon ich spreche? Von:

1. Fransenhülle

2. Schalkragenhülle

Letztlich lassen mich die beiden Bezeichnungen etwas ratlos zurück. Ich finde sie nicht besonders schön, eher leicht irritierend, und, wie gesagt, gewöhnungsbedürftig. Immerhin hat sich jemand Gedanken gemacht, auch wenn ich „Hülle“ nicht den schmiegendsten Begriff überhaupt finde. Hüllen sind ja nicht dafür bekannt besonders kuschlig zu sein. Aber man muss bedenken: erst mal was Besseres finden. Sicher interessant in diesem Zusammenhang ist der Begriff „Softshell“, der ja in Deutschland verwendet wird. Auch der wäre eine schicke Herausforderung für jeden Namenmacher. Kreativität und Innovation sollten hier mal eine Verbindung eingehen.

Damit das Verhältnis der Namen zum Produkt etwas klarer wird, hier die Abbildungen der beiden (neuen) Kleidungsstücke aus dem Prospekt von Konen, der diese innovativen Begriffe herausgebracht hat:

Fransenhuelle, ähnlich einer bequemen Jacke
Fransenhuelle
Schalkragenhuelle, ähnlich einer Jacke
Schalkragenhuelle

Mal sehen, ob die neuen Begriffe sich durchsetzen. Mutig ist der Schritt auf jeden Fall. Eine andere mutige deutsche Bezeichnung ist die gelebte Jeans von Mey & Edlich.

 

Winter, so geht das nicht. Eine Umbenennung.

Hier im Süden der Republik gibt es einige Wehmut und auch Trauer darüber, was aus dem guten alten Winter geworden ist. Wie schön war das doch früher – überall Schnee, ein Leben auf dem Schlitten, mit Skiern ins Bett, Dauereislauf auf dem Chiemsee. Das ist jetzt alles anders, der Januar erinnert eher an einen Herling oder Frübst, die Pflanzen werden noch ganz verrückt und das weiße Wiesel hat ein Problem. Da muss was gemacht werden – eine Umbenennung steht an. Der Winter bekommt jetzt eine neue Version. Hier die Liste der populärsten:

Winter 2.0 Neue Version, neue Bugs
Winter Update Das nächste Update macht alles besser
Winter Light 70% weniger Schnee, 50% weniger Kälte
Winter remixed Mit total innovativen Einflüssen von Herbst und Frühling
Winter plus Der bessere Winter – mit noch weniger Kälte
Winter minus Klingt kalt, aber wir ziehen die Kälte ab
Smart Winter Genau so kalt, dass die S-Bahn noch fahren kann
Winter Pro Klingt leider nach mehr, als es letztlich ist
Winter Basic Ein Mal Schnee – das muss reichen

 

Als Erinnerungshilfe zum Winter Classic, den es sonst nur im Kopf gibt:

Fahrrad im Schnee

 

Uhrmodell Nomos Minimatik: Schlicht und ergreifend

Am liebsten stelle ich Projekte aus eigener Hand vor, am zweitliebsten Fundstücke, die mir gefallen. Heute letzteres – das Uhrmodell Minimatik von NOMOS.

Uhrmodell Nomos Minimatik Automatik Armbanduhr
Uhrmodell Minimatik © NOMOS Glashütte

NOMOS Minimatik Neomatik Armbanduhr

 

Schön und gelungen finde ich diesen auf Deutsch geschriebenen Namen der Minimatik, ein Modell neben Tangente, Ahoi und anderen. Dieses Uhrmodell ist ausschließlich mit dem neuen Automatikwerk mit der Bezeichnung Neomatik erhältlich.

Damit wird es dann aber ein klein wenig weniger positiv, denn die Dopplung, wie man sie auf dem Boden der Uhr auch sehen kann – Minimatik mit Neomatik Werk  (das zusätzlich noch auf das Kürzel DUW 3001 hört) fordert durch die Ähnlichkeit der Namen Verwechslungen und Verwirrung heraus. Ich muss gestehen, ich habe eine Weile gebraucht, um die Differenzierungen innerhalb des Portfolios und der Modelle tatsächlich zu verstehen. Denn es ist ja nicht so, dass es nur die Minimatik mit dem Automatikwerk Neomatik gäbe. Und andere Automatikmodelle, wie die Tangomat sind sogar flacher. Wie war das gleich? Ich wollte doch ein positives Beispiel vorstellen…

Und dennoch, trotz arg viel Matik – Minimatik gefällt mir. Vielleicht auch, weil es mich an die Minivox von Junghans erinnert, und positive Assoziationen sind halt hilfreich.

 

PS: Wer sich für Uhren interessiert – ich habe auch mal über die Uhren von Uhr geschrieben.

 

Kopie? Red 1 vs. Magenta 1: One gegen Eins

Schon das Neueste von Vodafone gesehen?

Vodafone Red 1 Tarif für Telco

Der neue Tarif, bei dem alles dabei ist, heißt Red One. Und, an was erinnert er?  Genau, an ein Angebot mit quasi gleichem Namen: an Magenta Eins von der Telekom. Ein Muster kann nicht geleugnet werden.

Vergleich Magenta Eins - Red One

Jetzt, wo es ganz ungeniert als neuer Goldstandard kopiert wird, komme ich zum Schluss, dass dieses Muster wohl den richtigen Namen für die richtige Sache zur richtigen Zeit ergeben hat.

Alles deutet darauf hin, dass wir es hier nicht mit einer Kopie, sondern mit ehrlichem Branding zu tun haben. Versprochen wird nix Spektakuläres, noch nie Dagewesenes. Noch nicht mal etwas Neues oder von der Konkurrenz Unterscheidbares. Einfach ein ganz normales Angebot, das (wohl) funktioniert und das man so auch nebenan kaufen kann. Eigentlich mal ganz schön, so unaufgeregter und entspannter Wettbewerb, als würden sich zwei an den Händen halten und gemeinsam gemächlich die Ziellinie über – äh – schreiten. Na, jetzt geht die Fantasie mit mir durch.

Weniger wohlwollend heißt das Ganze natürlich einfach Kopie oder Me-Too, so wie bei Apple und Knuss.

 

Kurioser Slogan: Speedstar – The Power of Energy

Faszinierender Slogan auf einer Energydrinkdose gefunden:

Speedstar Energy Drink Slogan

The Power of Energy.

Was könnte man mehr wollen als mehr vom Gleichen? Immer wieder erstaunlich, wie im Deutschen kreativ mit Sprache und dem Englischen speziell umgegangen wird. Marketing darf alles.

Meine amerikanische Testtrinkerin (eine Kollegin bei Catchword) fand allerdings den Namen noch lustiger. Denn während in Deutschland Schokoriegel beim Discounter mittlerweile problemlos SPEED heißen können, sind in den USA die Drogenassoziationen noch recht stark: „The name Speedstar itself is perfectly pleasant to American ears, alternately evoking a track-and-field Olympian or a shooting star traveling across the night sky. The use of the word ‘speed’ for an energy drink, however, also conjures up stimulants and meth, which is good or bad depending on your perspective!“

 

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

Mal was Amüsantes für zwischendurch: Schuhe der Marke „FRAU“ – gefunden in Italien.

Ein Urlaubsmitbringsel: Schuhe Marke „FRAU“

 

Hinter dem für deutsche Ohren vertrauten Wort, aber in diesem Kontext  ungewöhnlich klingenden Markennamen, steht ein gerade in Norditalien gängiger Nachname – eben Frau. So kommt auch die Schuhmarke „Frau“ aus der Gegend von Verona. Den Luxusaffinen unter uns ist sicher die ebenfalls italienische Möbelmarke „Poltrona Frau“ ein Begriff.

In Deutschland wirken solche Namen erst einmal etwas eigenartig und zumindest rätselhaft. An vieles muss man sich erst gewöhnen. Das war bei „Apple“ vielleicht ja auch mal so. Wobei man einschränken muss, dass es sicher Markennamen gibt, die in Deutschland mehr Potential – auch bei Männern 😉 – für Lederwaren hätten.

Vielen Dank für die Trouvaille an Prof. Schulze von der FH Deggendorf!

 

Problemzone Domain beim Naming: Qual der Wahl?

Wenn man für einen Kunden einen Namen sucht, und dieser hat spezifiziert, dass er die .com Domain dazu (unbedingt) haben möchte, so stellt sich immer wieder die Frage, ob der Aufwand für einen guten freien Namen tatsächlich sinnvoll ist, oder ob man ausweichen soll.

Viele .com Domains werden zum Verkauf angeboten. Wer selbst schon eine kaufen wollte, weiß aber, dass es oft wenig Aussicht gibt, eine solche Domain zu einem auch nur annähernd erträglichen Preis zu erwerben. Eine andere geläufige Alternative ist, den Namen um ein einfaches Element zu ergänzen und so eine verfügbare .com-Domain zu kreieren. Allerdings verlängert dies die URL …

Eine weitere Lösung ist es, eine der Top-Level-Domains auf Basis generischer Begriffe zu registrieren. Deren Bandbreite ist mittlerweile sehr groß und nimmt fortlaufend zu. Eine kleine Auswahl aus mehr als 500 möglichen Domainendungen:

Top Level Domains - Alternative URLs

 

Es gibt dabei einige Aspekte zu berücksichtigen. Besonders wesentlich sind folgende Fragen für das Naming:

  • Ist die (meist englischsprachige) Top Level Domain attraktiv für Ihre Märkte und Zielgruppen?
  • Ist die Domain für Ihre Kunden einfach mit Ihrem Unternehmen / Ihrer Marke zu verknüpfen und gut merkfähig?
  • Deckt die Domain die wesentlichen Facetten Ihrer Marke / Ihres Unternehmens jetzt und zukünftig ab?

Nicht zu vergessen: Was ist der Preis für Ihre Wunsch-Domain, und wird sie gekauft oder gemietet? Auch hier gilt wie immer: genau hinschauen. Oder reden Sie mal mit mir. Wer tiefer in die rechtlichen und strategischen Fragen rund um Domains einsteigen möchte: Domains, Recht und Marketing Teil 1 und Teil 2 – und was passiert, wenn Domains und Markenrecht kollidieren: WIPO-Streitfälle.

 

PS: Nicht alle Endungen sind erfolgreich und geeignet, wie das Beispiel .sucks illustrieren mag. Momentan 38 Treffer erhält man auf der Suche nach online zugänglichen, genutzten Domains, wobei immer noch einige Dubletten enthalten sind. Und nimmt man die übersprungenen (offensichtlich analogen) Ergebnisse dazu, kommt man auch nur auf 765 Treffer.

 

Kuriose – und schöne – kulinarische Begriffe aus der Nähe

Ochsenaugn-Spiegeleier Bairisch-Deutsch

Es gibt ja bekanntlich ein Bairisch jenseits der Ästhetik des „mia biedan ins o“. Aus diesem Fundus habe ich einige kulinarische Exemplare herausgegriffen, die meinen Artikel zu erstaunlichen Bezeichnungen für Lebensmittel trefflich ergänzen. Auch hier wieder spannend, wie oft aus eher Unspektakulärem per Sprache etwas Vielversprechendes oder sehr Bilderreiches gemacht wird. Voilà:

  • Bärendreck: Ganz klar, das kann nur Lakritze sein
  • Bibergockel: So hieß er früher, heute hört er auf den Namen Truthahn
  • Blaswürscht: Heiße Kartoffeln (muss man blasen, da ja heiß)
  • Erdäpfel: Den Vergleich mit den Luftäpfeln hätten die Kartoffeln gar nicht nötig
  • Foidhendln: Wieder Kartoffeln (quasi die Hühner des Feldes)
  • Gansjung: Gänseklein (eher euphemistisch für Teile der Gans wie Hals oder Füße)
  • Hundshaar: Die feinen Fäden von Schimmel auf verderbenden Speisen
  • Kronfleisch: Das Zwerchfell eines Tieres wie Kuh oder Pferd (so benannt nach seiner Form oder weil es so fein ist?)
  • Ochsenaugn: Eigentlich leicht gruslig, denn das sind natürlich Spiegeleier
  • Ochsengurgeln: Die Schaumrolle, ein süßes Konditorprodukt

Vielleicht fragen Sie sich, wie ich auf die Begriffe gestoßen bin oder ob die alle in meinem aktiven Wortschatz sind. Das sind sie (leider) nicht alle. Manche waren im Kopf, auf andere bin ich bei den Recherchen zu einem Projekt gestoßen, bei dem Bairisches Deutsch eine wichtige Inspirationsquelle war – jenseits des unseligen „mia san ned von do“. Dank für Inspiration und Information geht an Franz Ringseis für sein „Neues Bayerisches Wörterbuch“ und an Ludwig Zehenter für „Bairisches Deutsch“.

 

PS: Weitere bildreiche, deutsche Bezeichnungen: die schönsten Pilznamen und der Drüberstreuer aus Österreich. Und schöner Bairisch schimpfen kann man auch lernen.

 

Vinho Verde Rosé – ein Wein, zwei Farben im Namen?

Erst staunt man, was bei Aldi im Angebot ist: Ein Vinho Verde Rosé. Grün und Rot vereint in einem Wein, der typischerweise eher blassgelblich daherkommt?

Foto einer Flasche Vinho Verde Rosé Wein

Gemach, gemach, alles hat seine Ordnung. Wir können hier das Phänomen der Lexikalisierung bestaunen.

Die aus dem Aussehen der Umwelt (sattgrüne Landschaft) und dem extrem kurzen Reifeprozess hergeleitete Bezeichnung des „grünen Weins“ (es geht übrigens nicht um unreife Trauben, das kann man in der Wikipedia lernen) wurde im Laufe der Zeit zu einem Namen, dessen ursprüngliche Bedeutungskomponenten von einer neuen Gesamtbedeutung überlagert wurden: frischer, leichter Sommerwein, der auch gut ins Ausland verkauft werden kann. Und der ganz, ganz grün, also jung getrunken werden sollte, sonst wird er ungenießbar.

Es gibt folgende Varianten von Vinho Verde: Vinho Verde, Vinho Verde Tinto, Vinho Verde Rosé.

Im Prinzip ist es hier ähnlich wie bei allen Namen, deren ursprüngliche Bedeutung verloren gegangen ist bzw. nur noch bei bewusstem Nachdenken aufscheint. Bei Lufthansa denkt ja auch niemand mehr an Schiffe oder Handelsschifffahrt. Nur bei Farbkombinationen ist halt alles ein wenig auffälliger …

PS: Wenn Sie sich für Bedeutungsveränderungen interessieren, könnten das Quiz über Markennamen und der Wirtshausartikel was für Sie sein.

Haufe wowinex: Nachfolger der wowi c/s Software

Schön! Wieder was zu feiern! Ein Projekt der Namensentwicklung Werner Brandl hat das Licht der Welt erblickt.

Haufe, das große Freiburger Verlags- und Softwarehaus für den Mittelstand, Steuerberater und Anwälte, hat für die Wohnungswirtschaft und Immobilienunternehmen ein neues Produkt herausgebracht:

wowinex von Haufe - neue Marke für Hausverwalter-Software

Über viele Jahre war die Lösung WoWi c/s marktführend in der Wohnungswirtschaft, z.B. bei großen Hausverwaltungen (> 10000 Wohnungen). 2015 war es Zeit für einen Relaunch: Mit einer völlig neu programmierten Nachfolgeversion, die die Möglichkeiten der vernetzten Arbeitsweise integriert.

Der Bedeutung des Schrittes und der signifikanten Veränderung entsprechend, sollte nicht eine neue Version oder Release erscheinen, sondern eine neue Marke dafür aufgebaut werden. Deren Name sollte aber anknüpfen an den alten, denn Kontinuität ist bei solchen Produkten extrem wichtig. Gleichzeitig sollte er die bahnbrechenden Besonderheiten, die differenzierenden Merkmale zum Vorgängerprodukt und zu den Wettbewerbsprodukten, herausstellen. So steht Haufe wowinex jetzt für die zeitgemäße Softwarelösung für die Wohnungswirtschaft.

Ein weiteres Haufe-Projekt: Digital Thinking.