Was ist das Schwierigste im Naming?
Ein internationaler Name für ein Auto?
Ein System für 50 Produkte mit Wiedererkennungswert?
Eine wirklich besondere Aufgabe ist, das Banale außergewöhnlich zu machen. Etwas Unauffälliges, Nebensächliches, Selbstverständliches sprachlich so herauszuheben, dass es wahrgenommen wird, Freude bereitet und dem Verkauf hilft. Ein Beispiel dafür sind einige Farbnamen von Smartphones.
Diese immer gleich geformten Geräte sind ja meist schwarz, silber oder weiß. Davon abweichende, raffiniertere Designwünsche, vom singenden Totenkopf bis zum Einhornballett, werden über Silikonhüllen gelöst. Doch die Hersteller bieten die Smartphones durchaus in mehr Farben als schwarz, weiß und silber an. Sie geben sich sogar – mal mehr, mal weniger – Mühe dabei, sich über die Farbnamen wenigstens ein wenig von der Konkurrenz abzusetzen. Werfen wir einen Blick auf fünf wichtige Marken: Apple, Samsung, Huawei, Xiaomi, Google.
Farbnamen bei Apple
Das iPhone von Apple gibt es in folgenden wenig spannenden Farben zu kaufen: Nachtgrün, Silber, Space Grau, Gold und Roségold sowie Violett, Gelb, Grün, Schwarz, Weiß, (PRODUCT)RED, Koralle und Blau. Der Name (PRODUCT)RED – exakt so komisch geschrieben – geht auf eine Bono-Initiative zurück. Das Ding ist letztlich rot und hat eine karitative Komponente. Normalerweise würde ich bei so einem komischen Namen beim Hersteller nachfragen, wieso die Schreibung so sein muss. Mittlerweile weiß ich aber, dass ich mir das bei Apple sparen kann. Also, die Farbnamen bei Apple – nicht so aufregend, aber erstaunlicherweise großteils Deutsch. Die starke Produktmarke ist hier der König.

Farbnamen bei Samsung
Wie sieht es bei Samsung aus? Den Klassiker der oberen Mittelklasse, das Galaxy S10e, gibt es in: Ceramic White, Ceramic Black, Prism White, Prism Black, Prism Green und Prism Silver. Wobei die Prism-Namen eine produktbezogene Bedeutung haben, denn das Handy ist nicht lackiert, sondern nanolaminiert – für schillernde Farbeffekte. Das sind schon mal spannendere Namen.

Farbnamen bei Huawei
Etwas westlicher, in China, hat Huawei folgendes für sein P30 und dessen zweieiige Zwillinge gefunden: Mystic Blue, Misty Lavender, Amber Sunrise, Breathing Crystal, Aurora, Black, Peacock Blue, Midnight Black, Pearl White, Blue. Sie klingen ein wenig angestrengt, gewollt und nicht wirklich wild. Ziemlich lustig ist auf jeden Fall Breathing Crystal. Das ist wohl die Variante für Highperformer und Überforderte 😉

Farbnamen bei Xiaomi
Der Herausforderer Xiaomi geht keinen Schritt weiter, sondern bleibt auf der gleichen Stelle, mit lustigerweise teils identischen Namen. Das Mi Note 10 gibt es in den Farben Aurora Green, Glacier White, Midnight Black.

Farbnamen bei Google
Zum Schluss nochmal der Blick nach Kalifornien. Am charmantesten und ansprechendsten hat meiner Meinung nach Google dieses Feld bearbeitet. Diese Farbnamen sind nicht nur auffälliger, sie sind auch positiv anders: Schon 2016 startete Google die Handys der Pixel-Reihe mit Very Silver, Quite Black und Really Blue, dann kamen Just Black, Clearly White und Kinda Blue. Und dann folgten noch Not Pink und Oh So Orange. Bitte fragen Sie mich nicht, wo der Unterschied zwischen Quite Black und Just Black liegt. Eine Anfrage an Google ist leider auch sinnlos, wie die Erfahrung zeigt.

Es wird spannend zu sehen, wie man die Farbnamen noch weiterentwickeln und so Differenzierung zum Ausdruck bringen kann.
Wer sich auch für die Markennamen chinesischer Smartphones interessiert, findet hier einen Blick auf Uhans und Gretel
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