Tiernamen vs. Vegannamen – Vegetarische Wurst / veganer Käse

Ehrlichkeit ist wichtig. Viele schreiben sich diese auf die Fahne. Doch wie ehrlich müssen Namen sein?

Jeder aufmerksame Beobachter des Tagesgeschehens hat sicher mitbekommen, dass es eine gerichtliche Entscheidung gab zum großen Komplex vegetarischer oder veganer Produkte, die tierhaltige imitieren. Es lag natürlich nahe, diese einfach mit „vegetarische Lyoner“ oder „veganer Mozzarella“ zu bezeichnen. Dass die Produkte manchmal weder in Textur noch in Geschmack mit dem Original zu verwechseln waren, ist wieder eine andere Sache, völlig unabhängig von Vegannamen. Zur Besänftigung des Landwirtschaftsministers (der übrigens nicht nur die Tierhalter vertritt) hat es aber leider nicht beigetragen.

Der Streit: Darf vegane Wurst Wurst heißen?

Worum ging es überhaupt bei dem Streit? Details kann man zum Beispiel im Artikel des Tagesspiegels zu veganem Käse nachlesen, aber in aller Kürze: Es galt zu entscheiden, ob Begriffe wie Wurst und Käse bei Produkten ohne Fleisch und ohne Milch irreführend sind – weil der Verbraucher ein Produkt mit anderen Inhaltsstoffen erhält, als er erwartet. Also statt totem Tier nur verarbeitetes Soja oder analog statt echter Kuhmilch nur eine milchige Flüssigkeit auf Basis von Wasser und Hafer. Die älteren unter uns erinner sich sicher an den berühmt-berüchtigten Analogkäse 😉

Das Urteil: Ohneprodukte ja, aber unter eigenem Namen

Das oberste Gericht, der EuGH, hat entschieden, dass die Ohneprodukte natürlich verkauft werden können. Dann aber ohne die etablierten Bezeichnungen der Mitprodukte zu verwenden. Über den Sinn des Urteils (und natürlich den Hintergrund der Klage), die Rolle der Kokosmilch und des Fruchtfleisches kann man lange diskutieren und lamentieren. Darum geht es mir aber gar nicht. Für mich entscheidend sind folgende Punkte:

Die Chance: Neue Namen für Leberkäse, Schnitzel und Co.

Dies ist die Chance für alle kopierten Leberkäse, Schnitzel und Leberwürste ein eigenes Leben zu beginnen – unter eigenen Namen. Nicht mehr abhängig vom Fleisch. Und egal, wie man zum Urteil und seiner globalen Sinnhaftigkeit stehen mag. Der Gedanke, dass ein Veganer keinen Käse mehr essen muss und ein Vegetarier keinen Leberkäse mehr, irgendwie ist das doch auch schön. Das Rennen um die besten neuen Kategorien und Bezeichnungen ist eröffnet! Alte Zöpfe ab, neue Namen rein.

Der pragmatische Weg: Heirler „wie Lyoner”

Man kann die Sache mit den Vegannamen aber auch anders lösen, durchaus kreativ, auf jeden Fall aber sehr pragmatisch und einfach. So wie Heirler das mit seinem Vegannamen gemacht hat:

Heirler vegane Wurst mit Vegannamen „wie Lyoner“
© Heirler Cenovis GmbH

Ganz ähnlich, wenn auch nicht 100% ernst: Ob ein Schwein ohne Schwein drin noch Fred Ferkel heißen darf.

 

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